Ich bin nun mal Deutscher, Sebastian Haffner


 
Eine vorzügliche Doktorarbeit
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Ich bin nun mal Deutscher - Sebastian Haffner. (Taschenbuch) Es gibt kaum ein interessanteres Thema, als über Sebastian Haffner eine Biographie zu schreiben. Die Frage ist nur, welches Genre am besten zu Haffners Leben passt. Soukup hat sich für eine Doktorarbeit entschieden. Damit ist eigentlich schon alles zu dieser Biographie gesagt: Auf der einen Seite ist sie gut recherchiert, empirisch fundiert, klar gegliedert, sachlich im Stil, und damit äußerst informativ zu lesen - das sind die Merkmale, die eine vorzügliche Doktorarbeit ausmachen.
Das Buch ist aber auch genauso unliterarisch geschrieben. Es fehlt das belletristische Salz in der Suppe, welches den Leser erfreut und in Erstaunen versetzt; es fehlt die Phantasie, das phantastische Leben Haffners phanatasievoll zu erzählen. Das sind die Mängel, die der Autor in Kauf nahm, um eine gute Doktorarbeit zu schreiben.
Fraglich ist nur, was dem Sujet Haffner angemessener ist: ein akademisches oder ein belletristisches Werk.
Doktorarbeiten schreibt man in der Regel nur für den Professor, Literatur hingegen für alle, die sich für das beschriebene Thema interessieren. Doktorarbeiten haben den Zweck, einen akademischen Grad zu erwerben. Literatur hat den Zweck, vom Leser mit Genuss und Gewinn gelesen zu werden.
Soukup schreibt für alle Haffner- Interessierten und damit für ein großes Publikum. Als freier Journalist möchte Soukup keinen akademischen Preis; er möchte vielmehr seine Leser mit Haffners Leben unterhalten. Aber: Das Leben, das umfangreiche und umstrittene Werk Haffners vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte bedarf der sauberen Recherche und der soliden Darstellung - so wie es ein Professor von einem Doktoranten erwarten würde.
An dieser Stelle hätte Soukup von Haffner lernen konnen - der selbst ein begnadeter Biograph war (man denke nur an seine Bücher über Churchill und Hitler)-, wie man gleichsam eine wahre, akademisch fundierte und eine schöne, belletristische Geschichte schreiben kann.
Fürwahr: Das lässt sich leicht fordern. Es gibt aber keine schwierigere schrifstellerische Aufgabe, als diesen gordischen Knoten zu lösen. Soukup ist dies nicht gelungen. Wegen der Schwierigkeit kann man ihm das auch nicht anlasten. Als Haffner-Fan wird man aber, von den grandiosen Büchern Haffners verwöhnt, unterschwellig enttäuscht von dieser Biographie sein. Als solcher wird man zwar die Vorzüge der wirklich sehr guten Doktararbeit über Haffners vita zu schätzen wissen. Man wird aber kaum ein zweites Mal, nachdem man es gelesen hat, zu diesem Buch greifen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 25. Februar 2004
Kundenrezensionen:
3. Eine vorzügliche Doktorarbeit (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Die informative Biographie des genialen Journalisten!
1. Ein Muss für alle Haffner-Fans!
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